NABU und die Ortsumgehung Celles
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NABU zur geplanten B 3 Ostumgehung Celle: "Umdenken ist noch möglich!"
Celle, 9. Mai 2008 --- 61/08 - NABU-Pressedienst
Der NABU Niedersachsen und der NABU Celle fordern weiterhin den Ausbau der Westumgehung als eine erheblich die Natur schonender und zumutbare Alternative. Dies um so mehr, da die Kosten für die Trassenführung als Ostumgehung deutlich nach oben korrigiert werden mussten. Der NABU hat fristgerecht seine Stellungnahme zum geplanten dritten Abschnitt der Ostumgehung B3 Celle abgegeben.
"Alle Ostumgehungstrassen greifen in wertvolle Naturgebiete ein. Die beantragte Trasse richtet von allen schlechten Trassen den geringsten Schaden an, dies ist jedoch nur zu akzeptieren, wenn dieser wirksam ausgeglichen wird. Daran haben wir jedoch erhebliche Zweifel", erklärte der Vorstand des NABU Celle heute. Die Ostumgehungstrasse kreuzt das Gebiet der Aller, das aufgrund der besonderen Artenvorkommen als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen ist. Es ist Teil eines europäischen Netzwerkes, das bedrohten Arten das Überleben sichern soll.
"Was uns besonders schmerzt ist jedoch der Verlust des Vogelschutzgehölzes Matthieshagen, mit dem der NABU bereits über ein halbes Jahrhundert eng vertraut ist", so der NABU Celle. "Hier geht mit dem geplanten Bau der Ortsumgehung auch ein Stück Celler Naturschutzgeschichte verloren, denn dieses Landschutzschutzgebiet zählt mit seiner bereits 1937 erlassenen Verordnung zu den ältesten Schutzgebieten in der Stadt."
Das Vogelschutzgehölz wird seit über 50 Jahren nicht mehr wirtschaftlich genutzt, sondern diente dem Naturschutz. Durch die natürliche Entwicklung haben sich wertvolle Altbaumbestände mit hohem Altholzanteil und großem Artenreichtum ausgebildet. Außerdem fließt der Freitagsgraben durch das Gebiet, der durch regelmäßige Frühjahrsüberschwemmungen den besonderen Charakter dieser Waldfläche prägt. Der Namensgeber des Gebietes übernahm eine wesentliche Rolle beim Aufbau und der Entwicklung des NABU (damals Deutscher Bund für Vogelschutz) in Celle. Das Vogelschutzgehölz Matthishagen wurde vom NABU bereits vor Jahrzehnten für den Natur- und Artenschutz gepachtet und wird bis heute durch Ehrenamtliche des NABU betreut.
Die geplante Trasse der Ortsumgehung führt quer durch das Vogelschutzgehölz und wird dieses in seinem Wert und seiner Besonderheit für die dort lebenden Tiere und Pflanzen zerstören. "Damit wird ebenfalls eine über 50jährige, vom NABU intensiv mitgetragene Naturschutzarbeit zunichte gemacht!", betonte der NABU Celle: "Ein neu angepflanzter Flickenteppich aus kleinen verteilten Baumgruppen, wie in den vorliegenden Planunterlagen vorgesehen, kann keinen über Jahrzehnte gewachsenen, geschlossenen Waldbestand ersetzen."
"Auch dem Weißstorch, dem NABU-Wappenvogel, geht es in Altencelle an den Kragen", so der NABU Celle weiter. "Da die alte Brücke neben der neuen bestehen bleiben soll, werden die Nahrungsräume, die dann noch zur Verfügung stehen sehr klein. Wir befürchten, dass das Nahrungsangebot zur Aufzucht einer Brut nicht mehr ausreicht."
Eine weitere Gefährdung besteht für verschiedene Fledermausarten, die die "kleine Ostumgehung" (K 74, Alte Dorfstraße) zwischen Osterloh und Lachtehausen derzeit als Jagdstrecke nutzen. Die B 3 zerschneidet diese Strecke und zerstört weiträumig den Nahrungslebensraum, auf den diese Fledermäuse angewiesen sind. Fledermäuse sind stark bedrohte Tiere, die in ganz Europa unter strengem Artenschutz stehen.
Solange nicht eindeutig aufgezeigt werden kann, dass neue Lebensräume für die Vielzahl der bedrohten Arten geschaffen werden, die durch die Baumaßnahmen sonst für immer vernichtet würden, lehnen NABU Celle und NABU Niedersachsen den Bau der Ostumgehung B 3 ab.
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